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Blog: Auf dem Weg zur Haute Route

Rose Goldman ist Rennrad-Neuling und möchte die Haute Route in den Dolomiten überstehen. Im Blog beschreibt sie den beschwerlichen, und manchmal komischen Weg dorthin.

Teil 3: Mein allererster Berg!

Letzten Monat auf dem Heimweg von München nach Stuttgart habe ich folgende Nachricht erhalten? „Kommst du morgen mit? Wir fahren früh los, wetter soll gut werden. Wir radeln übers Kühtai und auf der anderen Seite drehen wir um und machen es nochmal.“ Ich war selber schuld. Ich habe gesagt, dass ich endlich mal anfangen muss, Berge zu fahren. Aber als ich das sagte, dachte ich, dass mein Gesichtsausdruck die deutliche Botschaft transportiert, dass das irgendwann in ferner Zukunft geschehen soll. Doch manchmal ergibt sogar ein Werbe-Slogan einen Sinn: Just do it. Mach es einfach. Und deshalb habe ich es gemacht.

Das Kühtai, nicht weit hinter der Grenze in Österreich, wird von Radfahrern oft als „schöner Berg“ bezeichnet. Das kann ich so definitiv nicht unterschreiben. Mir sind ganz andere Ausdrücke durch den Sinn geschossen, als ich mit brennenden Beinen dort hochstampfte, während die Straße vor mir immer nur steiler und steiler wurde.

Aber „schön“ heißt im Radlerjargon etwas ganz bestimmtes: der Berg lässt einen durchatmen. Ja, es geht bergauf, aber die Straße flacht immer wieder etwas ab. So kann man Luft holen, etwas trinken – und dann weitermachen. Das macht das Kühtai zu einem guten „Trainingsberg“. Wenn man in Kematen beginnt und bis zur Passhöhe fährt, sind das 1400 Höhenmeter. Nicht schlecht für eine Anfängerin. Unten gab es für mich noch ein paar wertvolle Tipps in Kurzform: Jacke, Handschuhe und Beinlinge mitnehmen, oben wird es kalt. Fahr dein eigenes Tempo. Hast du Sonnencreme? Viel Glück, wir sehen uns oben!

Ganz ehrlich: Ich war ziemlich nervös. Vor allem als nach 20 Minuten jemand in unserer Gruppe scherzte „Und wo fängt endlich der Berg an?“. Aber positiv gesehen: Zu diesem Zeitpunkt hat die Gruppe mich noch nicht abgehängt! Ich konnte also mindestens 20 Minuten mithalten.

Der Rest war ein ganz schöner Kraftakt, aber es war nicht unmöglich. Und es hat mich nicht alle meine vorherigen Entscheidungen mit dem Radfahren anzufangen in Frage stellen lassen. Wie das bei manch anderer Radtour schon der Fall war.

Die Landschaft am Kühtai ist wunderschön, was einen von den Schmerzen in den Beinen ablenkt. Und oben gibt es eine Pizzaria – was will man mehr! Oben habe ich mich gefühlt wie Rocky Balboa auf den Stufen, Sir Hillary auf dem Mt. Everest oder wie auch immer derjenige hieß, der als erster die Eiger Nordwand bezwungen hat. Es fühlte sich gut an.

Aaaaaaber, nach so einem Höhenflug muss es natürlich auch wieder bergab gehen. Wortwörtlich. Fast hätte ich das wegen des Aufstiegerfolges, der leckeren Pizza und den tollen Leuten um mich herum vergessen. Was du nach oben fährst musst du auch wieder runterfahren. Erst Recht, wenn man das Auto ganz unten geparkt hat.

Es war furchtbar! Furchtbar von Anfang bis Ende. Und ganz besonders an einer steilen Rampe in der Mitte, als ich in einer Bushaltestelle anhalten musste nur um wieder ein bisschen klar zu kommen. Da ich den ganzen Tag noch keinen Bus gesehen hatte, war Warten keine Option. Eigentlich hielt ich mich immer für eine gute Radfahrerin, aber als das Rad mit mir ins Tal sauste, unter mir wackelte und es nach verbrannten Bremsbelägen roch, konnte ich mich nicht mal mehr an meinen eigenen Namen erinnern!

Es stellte sich heraus, dass ich keinerlei Abfahrtstalent besitze, was ein Problem ist. Am Ende bin ich unten angekommen, habe Gratulationen und eine Dose Spezi bekommen, aber auf der Abfahrt habe ich jede Sekunde gehasst.

Ich kann nicht behaupten, dass ich dank der Abfahrtstipps, die ich seitdem bekommen habe zum absoluten Profi geworden bin. Aber die Freude, den Tag im Sattel und mit Freunden zu verbringen, es aus eigener Kraft auf den Gipfel zu schaffen, überstrahlt die furchtbaren Gedanken, die ich während der Abfahrt hatte. Ich würde es morgen gleich wieder machen.

Und ich weiß, das Abfahren eine Fähigkeit ist, eine Fähigkeit, die man lernen kann. Hier sind ein paar hilfreiche Abfahrtstipps, die mir geholfen haben. Einige davon sind etwas offensichtlich, aber ich habe sie zum ersten Mal gehört!

  • John Findley von Palmare Coaching riet mir meine Laufräder nicht zu überfordern. Sie sollen entweder Lenken oder Bremsen und nicht beides auf einmal. Also Abbremsen bevor man in die Kurve fährt.
  • Schau nicht auf dein Vorderrad, sondern dahin wo du hinfährst!
  • Versuche dich aktiv zu entspannen, selbst wenn es nur für ein paar Sekunden ist! So können sich deine Händ vom Bremsen kurz erholen und sind bereit, wenn du sie brauchst und nicht verkrampft.
  • Den Schwerpunkt so tief wie möglich halten und soweit es geht nach hinten verlagern.
  • Schon gewusst: Die vordere Bremse verzögert besser und schneller als die hintere. Ich wusste es nicht….
  • Man kann stärker Bremsen, als man denkt. Ein bisschen Stotterbremse (Bremse immer wieder kurz sanft anziehen und loslassen) ist ein prima Mittel um die eigene Geschwindigkeit im Rahmen zu halten.

Meine Meinung ist: Umso mehr man etwas Notwendiges hasst, umso mehr sollte man sich darum kümmern, dass man es beherrscht. Und wenn man mit einer kleinen, flachen Übungsabfahrt anfangen muss, dann ist es eben so.

Viele Frauen (und Männer!) mit denen ich gesprochen habe, haben zugegeben, die Abfahrt viel schlimmer zu finden als den Anstieg. Das soll keine Ausrede für mich sein, nur ein Zeichen, dass man manche Sachen einfach üben muss und man sich keine Sorgen machen sollte, wenn es am Anfang nicht so einfach von der Hand geht. Je eher man sich damit beschäftigt, desto früher hört es auf eine Herausforderung zu sein. Wer weiß, vielleicht wird ja aus mir auch mal so jemand, der die Abfahrten einfach liebt. Glaube aber kaum, dass das der Fall sein wird.

Tagebuch einer Rennradfahrerin Teil 2: Rolle fahren und Gesäßschmerzen

Rollentraining gehört einfach dazu.Foto: Markus Stephani

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Es tut weh, sehr sogar. Ich zähle mal alle Körperteile auf, die mir weh tun, damit man ein gutes Bild von meinem Schmerz bekommt. Mein Hintern kommt auf der Schmerz-Liste auf Platz 1. Danach meine Beine, dicht gefolgt von den Schultern. Und dann alles andere.

Der Schweiß tropft mir von der Stirn, mein Gesicht hat eine unnatürlich rote Farbe angenommen, meine Unterlippe macht komische Sachen und das Frauenmagazin auf dem Couchtisch versucht mir zu erzählen, wie ich fit und sexy sein kann. Finde ich gar nicht komisch. Aber am schlimmsten ist, dass ich einfach nicht vom Fleck komme und sogar das Hinterrad aus meinem Rennrad ausgebaut ist!

Willkommen zum Training auf der Rolle! Warum man das macht? Nun, das Rolle-Fahren ist die Antwort auf viele Fragen im Radsport: Wie kann ich trainieren, wenn draußen die Wetter-Apokalypse tobt oder es einfach im April nochmal schneit? Wie hole ich das Meiste aus meinen wenigen Trainingsstunden raus, wenn man gleichzeitig auch noch Geld verdienen soll? Wie kann ich beim Radfahren gleichzeitig fernsehen? Die Antwort lautet jedes Mal: auf der Rolle. (oder wenn man besonders masochistisch veranlagt ist auf einer freien Rolle.)

Was mich am Radsport manchmal ärgert, ist, dass man manche Dinge einfach wissen muss, weil sie einem niemand erklärt. Aber ich halte es da wie Donald Rumsfeld – es gibt einfach Dinge von denen ich weiß, dass ich nichts davon weiß. Der Rollentrainer ist ein gutes Beispiel dafür.

Bisher bin ich davon ausgegangen, dass die Profis im Winter im Süden trainieren und alle anderen einfach eine Pause Machen so lange es draußen kalt ist (abgesehen von ein paar Verrückten, die auch im Winter fahren). Stattdessen trainieren die Profis und etliche Hobbysportler im Winter auf Rollentrainern! Und jeder Rennradfahrer (und jeder Coach!) mit dem ich gesprochen habe, ist einfach davon ausgegangen, dass ich natürlich auch einen Rollentrainer besitze.

Am Ende konnte ich mich nur über diese scheinbare Selbstverständlichkeit wundern – und dann doch einfach einen Rollentrainer kaufen. Jeder, der im Sommer eine längere Distanz in Angriff nehmen will, hat einen. Und sobald man sich etwas mehr Gedanken über den eigenen Trainingsplan macht, ergibt es auch einen Sinn.

Einsteiger-Rollentrainer gibt es schon ab 150 Euro. Diese Modelle sind günstig, machen aber auch mehr Lärm und haben nicht so viele Einstellungsmöglichkeiten. Für mehr Geld erhält man auch mehr Funktionsumfang und das Gerät ist nicht mehr so laut. Die teuersten Rollentrainer nennt man „Smart Trainer“, denn sie können und wissen tatsächlich mehr: Leistunsanalyse, Streckensimulation und Wettkämpfe gegen andere Sportler, die auf ihrem Rollentrainer schwitzen aber nicht vom Fleck kommen. Aber egal wie teuer, auf allen kann man ordentlich trainieren.

Mein Rollentrainer stand am Anfang vor allem in der Ecke und hat mich vorwurfsvoll angestarrt, um mich daran zu erinnern, dass das Ding nicht nur Deko ist sondern dass man es auch benutzen muss. Aber ehrlich gesagt, war der Rollentrainer eine der besten Investitionen, die ich für mein Training machen konnte, dicht gefolgt von einem personalisierten Trainingslpan, der den Rollentrainer mit einschließt. Denn am Ende werden mein Hinter und meine Beine dankbar für diese Vorbereitung sein.

Teil 1: Worum geht es in diesem Rennrad-Blog?

Berge sind für Rennradanfänger besonders aus der Ferne schön.Foto: Markus Stephani

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Die kurze Antwort ist Radsport. Man könnte auch sagen, dass Alkohol eine entscheidende Rolle gespielt hat. Dank der Tatsache, dass mein größter Ansporn Angst und ein bisschen zu viel Wein ist, habe ich jetzt noch weniger als fünf Monate um herauszufinden, wie man Rad fährt. Oder besser gesagt wie man ein 7-tägiges Abenteuer mit dem Namen Haute Route überlebt: über 800km, mehr als 20.000 Höhenmeter, mit Start in Innsbruck und Ziellinie in Venedig.

Nicht der Rede wert? Naja, vielleicht schon. Denn obwohl ich nun seit viele Jahren Rad fahre, würde mich immer noch als Neuling bezeichnen. 160 Kilometer war bis jetzt die längste Strecke, die ich bis jetzt auf dem Rad geschafft habe. Und das keines Falls in einer Rekordzeit.

Außerdem sind größere Berge und Anstiege in meiner Heimat England Fehlanzeige – ich komme nämlich aus London. Da haben wir vielleicht ein paar Hügel, aber die sind im Vergleich zu den Alpen gar nichts. Jetzt lebe ich in München und kann die Berge sogar sehen. Doch mein zu großer Respekt hat mich bis jetzt von ihnen ferngehalten.

Ich bin kein Radsport-Nerd und wenn man mich bis vor kurzem nach meinen Watt-Werten gefragt hätte, wären mir als erstes Glühbirnen in den Kopf gekommen.

Der Spannende Weg zu Haute Route

Doch jetzt ist es zu spät um einen Rückzieher zu machen. Ich muss das ganze wohl durchziehen und würde mich freuen, wenn ihr mich auf meinem Weg begleitet – oder zumindest auf dem Teil der euch gefällt.

Lass uns gemeinsam ein Ziel verfolgen: Egal ob einfach nur auf dem Rad in den Bergen rumgurken oder einen ersten richtigen Wettbewerb absolvieren – gemeinsam können wir versuchen unseren inneren Schweinehund zu überwinden.

Von Bike-Fitting über Ernährung bis zum Training und Dehnen werde ich alles in den kommenden Wochen und Monaten durchleben – oder zumindest den legalen Teil davon. Auf EPO werde ich verzichten und Zugang zu einer privaten Blutbank habe ich leider auch nicht.

Aber Ich werde mir so viele Radsportexperten wie möglich zur Brust nehmen und ich möchte mit euch teilen, was ich auf meinem Weg zur Haute Route entdecken und erleben werden. Hoffentlich kann ich euch zeigen, wie man sicherer auf dem Rennrad wird, sich im Training verbessert, immer mehr Kilometer abspult und viel Zeit mit dem schönsten Sport der Welt verbringt – Rennrad fahren!

Du hast eine radsportbezogene Frage? Dann lass es mich wissen!

Rose Goldman Haut Route Blog Training

Rose Goldman

Um wen geht es?

Rose Goldman, gebürtige Engländerin, ist eine leidenschaftliche Rennradsportlerin die vor kurzem mit Sack und Rad von London nach München zog. Sie ist nicht nur nach Deutschland gekommen um hier zu leben, sondern möchte vor allem in der Frauenradsportszene etwas bewegen.

Mit ihrem jungen Label Victor+Leap stellt Rose funktionelle, aber trendige Radbekleidung für sportliche Damen her. Und damit nicht genug: Im September stellt sich die 33-jährige zum ersten Mal der Herausforderung an einem mehrtägigen Jedermann-Etappenrennen teilzunehmen, der berüchtigten Haut Route Dolomites.

In diesem Blog berichtet Rose, wie sie sich auf dieses neue Projekt mit großem Elan, wechselnder Motivation aber brennender Leidenschaft für Radsport vorbereitet. Oder es eben versucht. Mit ihrer Geschichte verfolgt sie ein klares Ziel: Rose möchte noch mehr Frauen zu leidenschaftlichen Rennradfahrerinnen machen!

Oder in ihren eigenen Worten: „My aim is to get more women out there loving cycling and generally being awesome.”


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