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15 Klickpedale im Test - Plus: So stellen Sie Ihre Pedalplatten richtig ein

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RoadBIKE hat aktuelle Klickpedale getestet: Günstig oder teuer – ­welche Modelle sind die besten? Vergleichbare Produkte im Test

Würden Sie für 108 Gramm Gewichtsersparnis einen Mehrpreis von 220 Euro bezahlen? Dies sind immerhin mehr als 2 Euro pro Gramm. Im Testfeld der Rennradpedale kostet das günstigste Pedal gerade mal 37,90 Euro, das teuerste 319 Euro. Ist dieser Preisunterschied wirklich gerechtfertigt? Bekommt man für mehr Geld wirklich bessere Funktionalität oder unterscheiden sich die Modelle nur im Gewicht?

Bei einem Durchschnittspreis von 2000 Euro für ein Rennrad stehen 319 Euro für ein Pedalpaar nicht wirklich in einem vernünftigen Verhältnis. Bei anderen Parts wie Reifen oder Sattelstütze lässt sich mit weniger Geld oft mehr Gewicht sparen. RoadBIKE wollte wissen, ob sich die Investition in Pedale lohnt, und hat deshalb Top-Modelle und Bestseller der wichtigsten Hersteller sowie ein Versender- und zudem zwei Ladypedale getestet.

Das perfekte Pedal

Geringes Gewicht, problemloser Ein- und Ausstieg, sicherer Stand – auch beim Beschleunigen und im Wiegetritt – sowie Langlebigkeit, das erwarten Rennradfahrer von einem Klickpedal. Nach diese Kriterien hat RoadBIKE getestet. Am deutlichsten spürbar sind die Unterschiede beim direkten Kontakt mit dem Pedal – dem Ein- und Ausstieg. Denn hier gehen die Hersteller unterschiedliche Wege. Bei Look, Ritchey, Shimano, Time und Xtreme klemmt und hält eine in der Härte justierbare Feder das Cleat, zu Deutsch Schuhplatte, fest. Vorteil: Der Ausstieg ist knackig und definiert.

Allerdings entscheidet neben dem Auslösemoment auch der Auslösewinkel über einen sauberen und gewollten Ausstieg. Durch einen kurzen Dreh mit der Ferse zur Seite löst das Pedal aus, wenn die Fußstellung den Auslösewinkel erreicht und den Widerstand – das Auslösemoment – überwindet. Außer beim günstigen Xen-Pedal von Time lässt sich bei den übrigen Modellen dieser Konstruktionsweise das Auslösemoment – also der zu überwindende Widerstand – am Pedal einstellen.

Ein- und Ausstieg leicht gemacht – dieses Motto befolgen fast alle diese Pedalmodelle. Lediglich das Xen ist etwas hakelig beim Erstkontakt. Beim teuren Bruder Time RXS Ulteam Ti Carbon ist der Einstieg dagegen wesentlich geschmeidiger. Um die Ladyvariante auszulösen, muss – wie gefordert – weniger Kraft aufgewendet werden. Gleiches gilt auch für das Frauenmodell Look Kéo Elle. Generell überzeugen alle Kéo-Modelle (Elle, Sprint und Carbon) durch einen sehr leichten Einstieg und einen genau definierten Ausstieg. Für mehr Bewegungsfreiheit und Fersenspiel bietet Look drei unterschiedliche Pedalplatten an, die sich im Auslösewinkel unterscheiden.

Auch Shimano gibt sich beim Ein- und Ausstieg keine Blöße und dem Rennradfahrer die Möglichkeit, den Auslösewinkel durch die Verwendung unterschiedlicher Pedalplatten zu verändern. Sowohl das günstige 105er-Pedal wie auch das teure Dura-Ace-Modell funktionieren tadellos. Bei beiden gelingt der Einstieg denkbar einfach, und der Ausstieg ist vorbildlich. Insgesamt fühlt sich aber das Dura-Ace etwas geschmeidiger und präziser an.

Die technischen Pendants von Ritchey können da nicht ganz mithalten. Bei minimaler Auslösehärte drückt die Feder nicht mehr auf den Pedalkörper, und der Mechanismus sitzt locker, das kostet Punkte bei der Funktion. Bei Ritchey sind die Cleats aus hartem Kunststoff und damit sehr rutschig. Das gleiche Cleat wird auch von Xtreme, dem günstigsten Pedal im Test, verwendet. Der Einstieg ist einfach, der Ausstieg etwas hakelig, aber definiert. Einen anderen Weg verfolgt Crank Brothers bei seinen Quattro-Pedalen.

Sie verwenden Haltebügel, auf die eine Feder drückt. Diese Konstruktion bedingt aber, dass die Auslösehärte nicht einstellbar ist und das Pedal daher etwas undefiniert auslöst. Durch den Tausch der Cleats lässt sich der Auslösewinkel verändern, zudem ist der Einstieg von beiden Seiten möglich.

Als Exot unter den Rennradpedalen gilt Speedplay. Hier befindet sich der Auslösemechanismus nicht am Pedal, sondern am Schuh. Bei der günstigen Variante lässt sich der Auslösewinkel einstellen, das -moment allerdings nicht. Beim Top-Modell ist beides vorgegeben. Allerdings ist der Auslösewinkel sehr groß, die nötige Kraft sehr gering. Insbesondere bei Kniebeschwerden empfiehlt sich solch ein Pedal mit hoher seitlicher Bewegungsfreiheit. Außerdem ist durch die besondere Konstruktion auch hier ein Einstieg von beiden Seiten möglich.

Standfestigkeit

Für einen sicheren Stand im Pedal, muss die Auflagefläche besonders groß und breit sein. Solch eine Konstruktion verhindert das Kibbeln des Fußes auch bei Maximalbelastungen wie Sprints und Wiegetritt. Durch die breiten Edelstahlflächen, die hohe Sicherheit vermitteln, führen die Shimano-Modelle diese Wertung an. Das Look Kéo Carbon und das Ritchey Pro folgen dicht dahinter. Alle anderen Kontrahenten befinden sich auf ähnlichem Niveau. Nur Speedplay bietet bauartbedingt eine kleine Auflagebreite.

Um jedes Gramm gefeilscht

Beim Lieblingsthema vieler Rennradfahrer, dem Gewicht, liegt das Speedplay X/1 Titanium durch die flache Konstruktion und den verwendeten Leichtbaumaterialien wie Titan mit knapp 280 Gramm vorn. Das Time RXS und Look Kéo Carbon folgen mit rund 300 Gramm. Shimanos Dura-Ace und Ritcheys WCS liegen im guten Mittelfeld.

„Viel entscheidender als das reine Gewicht sind für Rennradfahrer allerdings die leistungsentscheidenden Eigenschaften eines Pedals wie Bauhöhe und Q-Faktor“, sagt RoadBIKE-Technikexperte Haider Knall. Je näher sich der Fuß an der Pedalachse befindet, desto direkter und besser lässt sich die Kraft übertragen. Außerdem verändert sich bei hochaufgebauten Modellen die Sitzposition und die Sattelüberhöhung. Flach wie Flunder präsentieren sich die Speedplays mit einer Bauhöhe von nur zwölf Millimetern. Viele andere Modelle liegen bei rund 15 Millimeter. Nur die Pedale von Crank Brothers, die günstigen Looks und das Xtreme bauen bis zu 20 Millimeter hoch auf.

Für eine sehr gute Ergonomie und Aerodynamik sollte der Schuh auch nur einen geringen Abstand zum Kurbelarm haben – gemessen als Q-Faktor. Bei den meisten Modellen lässt sich das Cleat am Schuh seitlich verschieben. 45 Millimeter Differenz sind hier der gute Durchschnitt, nur bei Crank Brothers ist der Abstand mit 53 Millimetern größer.

Ein Blick ins Innere

Um über Langlebigkeit und Lagerspiel präzise urteilen zu können, hat RoadBIKE die Pedale geöffnet. Alle Hersteller arbeiten mit durchdachten Lagerungen, setzen aber auf unterschiedliche Systeme. Außer beim günstigen Ritchey lassen sich die Lager austauschen – bei manchen auch in Kombination mit der Achse.

Fazit

Generell ist die Entscheidung für ein bestimmtes Pedal Geschmackssache, denn keines der getesteten Modelle offenbart gravierende Funktionsschwächen. Den Testsieg holte Shimanos Dura-Ace vor dem Look Kéo Carbon, dicht dahinter das Top-Modell von Time. Die drei überzeugen durch tolle Funktion und ausgereifte Technik bei geringem Gewicht. Bei den Bestsellern holt sich Looks Kéo Sprint den Kauftipp vor Shimanos 105. In Sachen Funktion und Haltbarkeit stehen sie den Spitzenmodellen in nichts nach, verlieren allein durch ihr höheres Gewicht Punkte. Für echte Leichtbaufans hingegen empfiehlt sich Speedplays X/1 Titanium. Die Funktion ist gewöhnungsbedürftig, das Gewicht aber unschlagbar.

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