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Sechs robuste Rennradreifen im Labor- und Praxistest

Sechs Rennradreifen im Vergleichstest

Im Winter werden Rennradreifen durch Split und Schlaglöcher auf eine harte Probe gestellt. RoadBIKE hat getestet, welche Modelle durchhalten. Vergleichbare Produkte im Test

Keine Frage: Sobald das Thermometer einstellige Temperaturen zeigt, ist es höchste Zeit, Winterreifen aufzuziehen. Für Autofahrer eine Selbstverständlichkeit und mittlerweile Pflicht – für Rennradfahrer ein Problem.

Denn während es für Pkws eine Fülle von Modellen gibt, suchen Radsportler in den Katalogen der Hersteller vergeblich nach echten, ausgewiesenen Winter-Rennradreifen. Dabei gibt es die passenden Pneus für widriges Wetter – sie zu finden, ist jedoch mitunter gar nicht so einfach.

Verborgene Talente

In den Produktbeschreibungen verstecken sich Modelle mit hohem Pannenschutz und viel Grip – den wichtigsten Eigenschaften eines Winterreifens – nämlich häufig hinter Begriffen wie 4-Season, Training oder Langstrecke. Hinweise auf die Wintertauglichkeit fehlen in der Regel.

Bei der Zusammenstellung des Testfeldes hat sich RoadBIKE deshalb helfen lassen und sechs renommierte Hersteller gebeten, ihre Sortimente nach den optimalen Reifen für die Bedingungen der kommenden Monate zu durchforsten. Gesucht war robustes Material, das sich gegen spitzen und scharfen Split zu wehren weiß und auch auf nassem Untergrund nicht ins Rutschen kommt.

Zum einem mussten sich diese Kandidaten in den Prüflabors von Continental und Schwalbe verschiedenen Durchstich- und Rollwiderstandstests stellen, zum anderen ging es mit allen Reifenpaaren bei „bestem“ Winterwetter auf die nasse Test­runde. Die Ergebnisse aus beiden Testteilen ergeben schließlich die Endnote.

Als Erstes wurden die Reifen jedoch gewogen und vermessen. Hier zeigte sich bereits deutlich, wie unterschiedlich die Hersteller das Thema angehen: Die tatsächlich gemessenen Breiten liegen zwischen 22,6 Millimeter beim Vrede­stein und 25,6 Millimeter beim Michelin. Dass die meisten Hersteller eher auf breite Modelle jenseits der 24 Millimeter setzen, hat einen guten Grund: Je breiter die Reifen, desto komfortabler fahren sie sich.

Gerade im Winter, wenn die Straßen häufig dreckig sind, und der Frost den Belag rissig macht, sind leicht federnde Reifen deutlich angenehmer zu fahren als schmale Modelle, die den Fahrer jeden Kiesel spüren lassen. Einziger Nachteil der breiten: Sie machen ein Rad spürbar weniger wendig, was die meisten Fahrertypen aber angesichts des Komfortplus wohl leicht verschmerzen werden. Der Rollwiderstand erhöht sich mit zunehmender Breite übrigens nicht. Im Gegenteil: Bei gleichem Luftdruck und gleicher Bauart rollen breitere Reifen leichter ab als ihre schmalen Pendants.

Im Testfeld haben Continental, Michelin und Vittoria in dieser Disziplin die Nase vorn und fahren ein erfreuliches Ergebnis ein: Sie rollen zum Teil leichter als die ausgewiesenen Wettkampfreifen dieser Anbieter! Was den Rollwiderstand angeht, müssen Winterradler also keine nennenswerten Abstriche in Kauf nehmen.

Winterspeck

Anders sieht es beim Gewicht aus. Während leichte Rennreifen mittlerweile weniger als 180 Gramm wiegen, kommt der Continental Grand Prix 4-Season als leichtester Reifen in diesem Test auf 215 Gramm – eine Folge des erhöhten Materialeinsat­zes, den die Breite und der bessere Pannenschutz notwendig machen.

Was zunächst recht viel wirkt, relativiert sich jedoch vollständig beim Blick auf das Testfeld. Contis All­rounder wiegt satte 160 Gramm weniger als der Schwalbe Durano Plus, der mit 375 Gramm der schwerste Reifen im Test ist. Ein gewaltiger Unterschied!

Zwar gehört das Gewicht anders als bei reinen Wettkampfreifen in dieser Kategorie nicht zu den wichtigsten Kriterien. Gegen leichte Reifen ist aber auch im Winter nichts einzuwenden, wenn die ihre Hauptaufgabe erfüllen: zuverlässig vor Pannen zu schützen. Um Aufschluss darüber zu erhalten, wie gut ein Reifen gegen spitze Steine und Scherben gewappnet ist, werden im Labortest die Kräfte ermittelt, die notwendig sind, um verschieden breite Stichel (1,5 und 5 mm) durch den Reifen zu treiben.

Diese Tests sind zwar nur eine theoretische Annäherung an die Realität, gleichzeitig aber auch die einzige reproduzierbare Möglichkeit, die Aussagen zur Pannensicherheit erlaubt. Die Gefahren, die in der Praxis auf Reifen lauern, sind einfach zu vielfältig, um sie im Labor umfassend nachstellen zu können. Die Ergebnisse dieser Labortests sind schlicht beeindruckend.


Die Reifen im Test:


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