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Touren-Rennräder (Modelljahr 2017) im Test

Im RoadBIKE-Test: 7 neue Touren-Rennräder

Top-Federungskomfort, breiter Einsatzbereich, Scheibenbremsen: Sind die neuen Super-Tourer die vielseitigsten Rennräder überhaupt? Vergleichbare Produkte im Test

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Rennrad-Test

  • Super-Tourer: Die Tester waren beeindruckt von der Bandbreite der getesteten Rennräder.
  • Alle Rennräder im Test verfügen über einen sportlichen Grundcharakter, vom sportlichen Marathon-Rennrad bis zum Alleskönner für Schotterpisten ist alles dabei.
  • Nach Punkten gewinnt das Specialized Roubaix, für das Rose X-Lite gibt es den Kauftipp.

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Canyon Endurace CF SLX 8.0 Di2 (2017)] 4899 Euro Sehr gut
Rose X-Lite CDX-4400 (2017) 3099 Euro Sehr gut
Simplon Pavo Granfondo Disc (2017) 4399 Euro Sehr gut
Specialized Roubaix Pro UDi2 (2017) 6499 Euro Sehr gut
Cube Agree C62 Race Disc (2017 2899 Euro Gut
Focus Paralane Ultegra (2017)] 3799 Euro Gut
Trek Domane SLR 7 Disc (2017) 5999 Euro Gut

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Hier gibt es den kompletten Rennrad-Test

Ein Rennrad für alle Gelegenheiten? Klingt fast wie ein frommer Wunsch – angesichts der immer stärkeren Spezialisierung im Markt: schnittige Aero-Renner konkurrieren mit superleichten Sportlern und geländetauglichen Gravel-Rädern.

Dabei brauchen die meisten Rennradfahrer gar keine solchen Spezialisten, zumal die Spezialisierung immer mit Nachteilen einhergeht. Besteht der Rennrad-Alltag für die meisten Hobbysportler doch vor allem aus Touren: mal schnell und hart, mal episch lang; trainieren und pendeln bei jedem Wetter; als Krönung der Saison mal ein Jedermann-Rennen, eine RTF oder ein Rennrad-Urlaub.

Zahllose neue Räder rollen derzeit auf die Straßen, die sich genau dafür als passende Partner empfehlen wollen: mit mehr Komfort, sicherem Handling und – Scheibenbremsen. Tourer, die perfekte Alleskönner sein wollen. Um herauszufinden, ob sie dieses Versprechen einlösen können, hat RoadBIKE alle 2016 vorgestellten Tourer mit hochwertiger Ausstattung auf Ultegra-Niveau (die neue Dura-Ace ist noch nicht lieferbar) zum Test geladen.

Die perfekten Alleskönner?

Am Touren-Rennrad (auch Komfort- , Ausdauer- oder Marathon-Renner genannt) kommen derzeit alle wichtigen Innovationen der letzten Jahre zusammen: Das große Thema Komfort (= Federung, angenehmere Fahrerhaltung, mehr Laufruhe) spielte in diesem Segment erstmalig eine tragende Rolle: Vorreiter wie Specializeds Roubaix mussten sich vor 10 Jahren gegen heftige Widerstände behaupten. Heute ist Komfort in der Rennrad-Entwicklung eine feste Größe im Pflichtenheft. Dazu kommt aktuell die Scheibenbremse – und mit ihr die Möglichkeit, deutlich breitere Reifen zu fahren.

Was bedeuten diese Entwicklungen in der Summe für moderne Touren-Rennräder?

Mehr Federung

Der etwas unglückliche Begriff „Komfort“ umschreibt einerseits die wirksame Federung und Vibrationsdämpfung, hier haben alle Rennräder in den letzten Jahren riesige Sprünge gemacht. Und die Tourer im Test legen nochmals ordentlich nach: das Canyon Endurace CF SLX 8.0 Di2, das Specialized Roubaix Pro UDi2 und das Trek Domane SLR 7 Disc erreichen am Heck bessere Messwerte, als sie je zuvor auf RoadBIKE-Prüfständen ermittelt wurden. Auch an der Front gehen die Entwickler neue Wege: Ein beweglich gelagertes Steuerlager verbessert beim Trek Domane SLR 7 Disc die Federung vorn, beim Specialized Roubaix Pro UDi2 sorgt eine Federkartusche auf dem Gabelschaft für Komfort, wie ihn bislang kein anderes Rennrad erreicht.

Allerdings bringt dieses spürbare Plus an Federungskomfort auch Nachteile mit sich: Die Parallelogramm-Sattelstütze im Canyon Endurace CF SLX 8.0 Di2 federt so gut, dass sie beim Pedalieren mit hoher Kadenz mitwippt. Beim Trek Domane SLR 7 Disc und dem Specialized Roubaix Pro UDi2 bringen die technischen Lösungen Mehrgewicht: Die Federkartusche im Specialized Roubaix Pro UDi2 wiegt gut 300 Gramm, Treks Rahmen-Set mit aufwendigen Lagern drückt mit rund 1,7 Kilo so stark auf die Waage wie das halb so teure Cube Agree C62 Race Disc im Test mit seinem deutlich günstigeren Carbon-Rahmen, der dafür nicht sehr gut federt.

Mehr Sitzkomfort

Wesentlichen Anteil am Komfort eines Rades hat auch die Sitzposition des Fahrers: Alle Tourer bringen ihren Piloten durch etwas mehr Stack (eine höhere Front) in eine aufrechtere Position. Darüber freut sich fast jeder, der sein Geld nicht als Radprofi verdient. Allerdings sind die Unterschiede im Testfeld groß: Während das Simplon Pavo Granfondo Disc seinen Fahrer sehr sportlich positioniert, sitzt man beim Specialized Roubaix Pro UDi2 und dem Trek Domane SLR 7 Disc eher aufrecht (siehe Diagramme in den Testberichten).

Mehr Laufruhe

Auch stabiler Geradeauslauf zählt zu den wesentlichen Entwicklungszielen bei Touren-Rennrädern. Die Idee: Wer lange Strecken fährt, profitiert von einer etwas ruhigeren Lenkung, die mehr Sicherheit bringt. So lobten die Tester einhellig, wie sicher und zuverlässig die aktuellen Tourer folgen. Aber auch hier gibt es Unterschiede: das Simplon Pavo Granfondo Disc oder das Cube Agree C62 Race Disc rollen zwar sicher geradeaus, lenken aber dennoch direkt ein. Im direkten Vergleich präsentieren sich das Canyon Endurace CF SLX 8.0 Di2 und das Trek Domane SLR 7 Disc eher zurückhaltend. Dieser Charakter (angegeben in den Testberichten) ist eine Frage der Gewohnheit – und des Geschmacks.

Breitere Reifen

Was den Testern auffiel: Gerade das Trek Domane SLR 7 Disc und das Canyon Endurace CF SLX 8.0 Di2 stehen auf extrem voluminös bauenden Reifen – bei beiden etwa 32 mm. Dieses Reifenvolumen beeinflusst maßgeblich das Lenkverhalten. Wer sein Rad wendiger mag, erreicht hier mit schmaleren Reifen viel.

Warum montieren die Hersteller so breite Reifen? Weil sie es können: Dank der verbauten Scheibenbremsen bietet jeder Tourer Platz für mindestens 28 mm breite Pneus, meist passen sogar 32er in Gabel und Hinterbau. Die Vorteile des größeren Reifenvolumens sind spürbar: Sie nehmen Vibrationen vom Untergrund die Spitzen, je breiter, umso sicherer rollen sie auch über Schotter sowie Wald- und Wiesenwege. Breitere Reifen erweitern den Einsatzbereich gewaltig und erschließen dem Tourenfahrer neue Möglichkeiten.

Scheibenbremsen

Die offensichtlichste Neuerung an den aktuellen Touren-Rennern sind aber die Scheibenbremsen. Die Diskussion darum wird die Rennrad-Welt noch eine Weile begleiten. Fakt ist: Kein neuer Tourer verzichtet noch auf die Disc, viele Räder (im Test Canyon Endurace CF SLX 8.0 Di2, Focus Paralane Ultegra, Rose X-Lite CDX-4400, Specialized Roubaix Pro UDi2) sind ausschließlich mit Scheibenbremsen zu haben. Gut eingestellt und eingebremst geht das Konzept auf: Ein Rennrad, mit dem man immer und überall unterwegs sein kann, sollte auch unter allen Bedingungen konstant zuverlässig bremsen.

Cube und Trek setzen an ihren Modellen, dem Cube Agree C62 Race Disc und dem Trek Domane SLR 7 Disc, allerdings nur auf 140-mm-Discs, Specialized verbaut am Specialized Roubaix Pro UDi2 die kleinen Scheiben am Hinterrad. RoadBIKE hat in seinem Scheibenbremsentest (Heft 10/2015) jedoch nachgewiesen, dass 140er-Discs in vielen Fällen unterdimensioniert sind, Shimano empfiehlt sie seitdem nur noch für geübte Fahrer und unter bestimmten Bedingungen. Für den weiten Einsatzbereich der Super-Tourer sollten 160er-Discs Standard sein.



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