Ausprobiert: Garmin Varia Radar

Foto: Christian Brunker/RoadBIKE

Man hat hinten keine Augen? Doch! Garmins Varia-Radar soll zeigen, was sich hinter einem abspielt und so einen Beitrag zur Sicherheit leisten. RoadBIKE-Redakteur Christian Brunker hat es ausprobiert.

Ein kurzer Piepston und ein Blick auf den gekoppelten Radcomputer zeigt: Ein Fahrzeug nähert sich von hinten. Dank des neuen Varia-Radars von Garmin haben Radfahrer immer die Situation hinter sich im Blick - und das ohne sich umzudrehen. Seit einigen Monaten ist nun schon die zweite Generation des Radars von Garmin im Handel, die wesentliche und augenfälligste Neuerung ist das Gehäuse: Aus einem recht breiten, querformatigen Gerät ist ein Hochformat geworden, das sich angenehm unauffällig an der Sattelstütze befestigen lässt.

Kurz&Knapp

  • Name: Garmin Varia RTL511
  • Preis: ab 199,99 Euro
  • Gewicht: 71 g
  • Maße: 98,6 x 19,7 x 39,6 mm
  • Akku-Laufzeit: bis zu 10 Stunden (Herstellerangabe)

Der erste Eindruck

Dank der mitgelieferten Halterung samt verschiedenen Adaptern und O-Ringen lässt es sich schnell und einfach an fast allen Sattelstützen (auch flachen Aero-Stützen) befestigen. Ist bereits ein Garmin-Radcomputer vorhanden, lässt sich das Radar einfach als Sensor mit dem Gerät koppeln, ansonsten kann das Varia-Radar auch als Bundle mit einem Anzeige-Gerät kaufen, es kostet dann allerdings statt ohnehin schon stattlichen 200 ganze 300 Euro.

Praktisch: Das Varia dient gleichzeitig als Rücklicht und soll laut Garmin auch bei Tageslicht aus großer Entfernung zu sehen sein. Unterwegs macht sich das Radar gleich an die Arbeit und warnt per Piepston vor hernannahenden Fahrzeugen, meist schon deutlich früher als man sie hören kann. Garmin gibt die Reichweite mit rund 140 Metern an, was aus meiner Erfahrung sicherlich zutrifft. Auch mehrere Autos hintereinander oder auch Motorräder werden zuverlässig erfasst und angezeigt. Zusätzlich färben sich die seitlichen Ränder des Radcomputers gelb oder rot, je nach Nähe und Geschwindigkeit des Autos. Ist es vorbei, wechselt die Farbe kurz wieder auf grün, ehe sie verschwindet. Das funktioniert erstaunlich zuverlässig, allerdings mit einigen Einschränkungen:

  • Auch wenn man auf einem Rad-/Wirtschaftsweg neben der Straße unterwegs ist, werden die Autos vom Radar erfasst und angezeigt, selbst wenn der Weg nicht direkt, sondern mehrere Meter neben der Straße verläuft.
  • Bleibt der Abstand zum Auto konstant - etwa weil es abgebremst hat und auf einen geeigneten Moment zum Überholen wartet - verschwindet das Auto aus dem Radar. Biegt man dann ohne Schulterblick links ab und das Auto setzt gleichzeitig zum Überholen an, können gefährliche Situationen entstehen.

Kein Ersatz für den Schulterblick

Foto: Christian Brunker/RoadBIKE
Das Garmin Varia Radar zeigt auch Autos an, wenn die Straße einige Meter neben dem Radweg verläuft.

Das Beispiel zeigt: Auch mit Radar sollte man sich nicht ausschließlich auf die Technik verlassen, ein Schulterblick vor dem Abbiegen bleibt unverzichtbar. Zudem kann das Radar auch nerven, etwa wenn es im Stadtverkehr quasi ständig piept. Es zwischendurch auszuschalten ist wegen des kleinen, oben auf dem Gerät angebrachten Knopfs auch nicht zu empfehlen. Immerhin ist die Akku-Laufzeit laut Garmin mit rund zehn Stunden ausreichend für die allermeisten Tagestouren, sodass man es nicht aus Stromspargründen zwischenzeitlich ausschalten muss.

Fazit

200 Euro für ein Rücklicht mit Radarfunktion? Das ist eindeutig ein stolzer Preis, für den man Kosten und Nutzen sorgfältig gegeneinander abwägen sollte. Was gut gefällt, ist die frühzeitige Warnung vor herannahenden Autos, deutlich bevor man sie hören kann. So hat man jederzeit eine gute Übersicht über die die Verkehrssituation hinter sich - mit den erwähnten Schwächen. Auf einen Schulterblick vor dem (Links-)Abbiegen sollte man keinesfalls verzichten, und auch die Ohren sollte man sich nicht mutwillig mit lauter Musik beschalllen. Das Garmin Varia ist höchstens eine Ergänzung zu den eigenen Sinneswahrnehmungen, aber kein Ersatz.