Deges Sicht: Die Degenkolb-Kolumne auf roadbike.de

John Degenkolb bei Paris Roubaix 2018
Foto: TDW/gettysport

Wie bekommt man von einem Radprofi spannende Antworten? Ganz einfach, indem man ihm spannende Fragen stellt.

Was wollt ihr von John Degenkolb wissen?

„Wow“ – die RoadBIKE will eine Kolumne von mir, nicht schlecht. Das war der erste Gedanke. Der zweite war: Aber was soll ich Euch eigentlich erzählen? Ohne Euch zu langweilen? Wollt ihr wirklich Antworten auf die immer gleichen Fragen? „Herr Degenkolb, wie ist die Form?“ „Wie fanden Sie das Rennen?“ Fragen, die uns so sicher durch die Saison begleiten, wie der fast tägliche Kampf ums Idealgewicht.

Und auf die man meistens nicht mal wirklich sinnvoll antworten kann. Weil Sendezeiten und Zeitungsartikel in aller Regel viel zu kurz sind, um einen so komplexen Sport wie unseren zu erklären. Deshalb möchte ich diese Kolumne nutzen, um Euch andere, spannendere Einblicke in das Leben eines Radprofis zu geben.

Und natürlich auch, um meine Sicht auf alle möglichen Dinge zu zeigen. Entwicklungen im Radsport, die mich freuen, die mich ärgern, natürlich auch auf Siege und Niederlagen. Aber ich will dabei kein Alleinunterhalter sein. Ich will, dass Ihr Euch einmischt und mir sagt, was Euch interessiert. Ganz einfach, indem Ihr mich mit Euren Fragen bombardiert.

Egal ob per Mail RoadBIKE-Redaktion oder über Facebook, Instagram oder meine Homepage: Jede Frage ist Willkommen und ich versuche dann Folge für Folge zu beantworten, was möglich ist. Verraten kann ich aber schon jetzt: ein paar Sonderschichten extra und man muss an Weihnachten nicht mehr jedes Plätzchen umschiffen ;)

Bis zum nächsten Mal, Euer Dege.

Sprachwirrwarr und soziale Medien

„Dege, geht es auch auf Deutsch?“ – das lese ich regelmäßig auf meinem Facebook-Account. Klar - deutscher Radsportler, deutsche Fans, deutsche Sprache. Aber hey, Radsport ist international.

So wie mein Team. Mit Fahrern, Trainern, Mechanikern und Betreuern aus der ganzen Welt: Belgien, Italien, Frankreich, Portugal, Dänemark, den USA, Holland, Schweiz, Kolumbien und jede Wette – ich habe bestimmt noch das ein oder andere Land vergessen.

Und auch wenn jeder von uns ein paar Brocken Italienisch, Französisch oder Belgisch versteht – die Sprache, die uns alle verbindet, ist Englisch. Und was bei uns im Team und im ganzen Peloton gilt, gilt auch für viele meiner Fans. Die eben nicht nur aus Deutschland kommen, sondern auch aus allen Teilen der Welt. Etwas, das mich stolz macht, und natürlich will ich jedem die Chance geben, mich zu verstehen.

Und mal ehrlich: Sich ganz einfach weltweit mit Menschen austauschen zu können, ist doch das Beste an Facebook, Instagram & Co. Auch wenn „Völkerverständigung“ immer gleich so ein großes Wort ist – sich über alle Grenzen hinweg über eine gemeinsame Leidenschaft wie Radsport unterhalten zu können, leistet genau das ganz nebenbei. Deshalb gehört für mich Englisch einfach weiter dazu. Und als kleinen Ausgleich gibt es ja jetzt meine kleine Kolumne hier.

A bientôt, till next time, euer Dege.

Stürze und Material

Foto: Tim de Waele

Zum Start habe ich ja versprochen: keine Alleinunterhaltung, Eure Fragen und Meinungen sind mir wichtig, und ich versuche zu beantworten, was geht. Fangen wir direkt damit an. Mit zwei Sachen, die ich immer wieder gefragt werde: „Wie gehst Du mit Stürzen um, hast Du Tipps, wie man den Kopf wieder freibekommt?“ Und die zweite: „Bekommt Ihr als Profis eigentlich Material-Wünsche erfüllt oder müsst Ihr nehmen, was kommt?“

Die einfache Antwort zum Thema „Stürze“. So schnell wie möglich wieder aufs Rad! Ich weiß, dass das leichter klingt, als es oft ist – gerade wenn man sich auch mal ernsthafter verletzt hat. Und besonders auch dann, wenn man als Quer- oder Späteinsteiger (zum Glück!) nicht so an Crashs gewöhnt ist wie alle, die von klein auf Rennen fahren und gelernt haben, damit umzugehen. Aber es ist der einzige Tipp, den ich geben kann. Ab aufs Rad – und wenn Ihr Euch erst mal nur langsam wieder rantastet.

Und das Material? Wir bei Trek-Segafredo, aber auch viele andere Teams arbeiten eng mit den Entwicklern der Radhersteller zusammen. Sie nehmen unsere Wünsche und Verbesserungsvorschläge auf und versuchen alles, um uns das perfekte Bike hinzustellen. Etwas, von dem übrigens nicht nur wir profitieren, sondern auch Ihr. Weil die Verbesserungen in die Räder einfließen, die im Laden stehen. Also, wenn Ihr das nächste Mal ein Radrennen anschaut, seht Ihr eigentlich auch jede Menge Testfahrer – für Euch!

Bis zum nächsten Mal, till next time, euer Dege.

Kuchen, Pizza, Eis und alles andere, was lecker ist

Foto: TDW/gettysport

Okay, das ist zwar erst meine vierte Kolumne hier in der Roadbike. Trotzdem habe ich schon einen guten Grund, „Danke“ zu sagen. Einmal für die Hammer-Namen, die ihr für mein neues Bike kreiert habt – Wahnsinn! And the Winner is: Wiktor. Ein Name, der perfekt zu meinem Bike passt.

Wie gut die Wahl war, zeigten auch sofort die ersten beiden Rennen des Jahres. Gleich zwei Siege auf Wiktor – nicht schlecht. Leider wurde aus Wiktor mittlerweile Wiktor II. Das erste fiel einem Crash während der Dubai-Tour zum Opfer, hatte also nur ein kurzes Leben. Ich hoffe aber, dass auch Wiktor II noch so manchen Sieg holen wird.

Noch ein Danke gibt es für die Fragen, die mich erreichen. Ein Thema taucht dabei besonders oft auf: Ernährung. „Wie verpflege ich mich im Training, sind Kuchenpausen erlaubt?“ Was soll ich dazu bloß schreiben? Natürlich sind Kuchenpausen erlaubt!

Klar, eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist wichtig, auch das Gewicht sollte man als Radsportler immer im Blick haben. Aber bei aller Lust an Optimierung: Verliert nie aus den Augen, dass Rad fahren vor allem Spaß machen soll. Nach dem Training bei der Eisdiele vorbeifahren, einen Mandelkuchen auf Mallorca oder den Kaiserschmarrn auf der Almhütte beim Mountainbiking – das gehört doch dazu!

Deshalb: Stresst euch nicht zu viel mit eurer Ernährung. Fahrt lieber ein paar Kilometer mehr, dann fällt auch die eine oder andere Kalorie mehr nicht wirklich ins Gewicht. Bon appétit!

Über Jedermänner, Radsport und Fankultur

Ein dichtes Zuschauerspalier, infernalisches Gebrüll, gereckte Fäuste, Jubeln, ein langes „Deeege“ oder ein anfeuerndes „Go, Go, Go“ – nichts kann mich im Rennen mehr pushen als Zuschauer und Fans an der Strecke.

Und ich weiß, dass es eigentlich allen im Peloton ganz genauso geht: Die Stimmung bei den Rennen ist für uns das Salz in der Suppe. Etwas, was wir natürlich ganz besonders in Belgien, Holland, Frankreich, Italien spüren.

Aber auch wir, die oft eher als kühl beschriebenen Deutschen, holen langsam auf. Was beim Grand Départ in Düsseldorf los war und bei meinem Heimrennen Eschborn–Frankfurt am 1. Mai hoffentlich wieder los sein wird, hält den Vergleichen mit Roubaix oder San Remo sicher stand. Wer da trotzdem irgendwie fehlt? Aus meiner Sicht viele der Jedermänner!

Ich bekomme so viele Fragen von euch zu Training, Renntaktik, Ernährung. Was viele scheinbar vergessen: Radrennsport muss man leben! Die Geschichte aufzusaugen, das ganze Drumherum zu spüren, die Leidenschaft von Fahrern und Fans zu erleben, gehört für mich daher für einen Radsportler unbedingt dazu. Deshalb: Fahrt zu den Klassikern, zur Tour, zum Giro, geht zu dem Amateurrennen in eurer Nachbarschaft, feuert die Kids bei den Jugendrennen an! Jede Wette: Ihr werdet ein unvergessliches Erlebnis haben. Und eure eigenen Rennen mit einem Extra-Push und noch mehr Enthusiasmus angehen als jemals zuvor.

Bis zum nächsten Mal an der Strecke,
euer Dege

Zur Klassikersaison und zum Teamwork

Foto: VC/gettysport

Die erste Erkenntnis des Frühjahrs? Unser Sport ist spannend wie selten zuvor. Das Feld ist so dicht wie seit Langem nicht mehr, viele Fahrer sind in der Lage, ein Rennen zu gewinnen.

Und direkt daran knüpft auch die zweite Erkenntnis an: Ohne perfektes Teamwork geht nichts. Schaut man sich die Rennverläufe an, muss man klar feststellen, dass jedes Mal eine brutale Teamleistung gebracht werden musste, um erfolgreich zu sein. Exemplarisch dafür die Flandern-Rundfahrt: Wir bei Trek- Segafredo haben danach unsere Leistungsdaten ausgewertet, einen Index, der „Trainingsstress-Score“ heißt, und der zeigt, wie hart die Belastung eines Trainings oder Rennens insgesamt war. Jeder einzelne von uns hatte da seine höchsten Werte ever, und nur so konnten wir das Rennen auf dem Podium abschließen.

Und auch, wenn ich selbst nach dem krankheitsbedingten Ausstieg bei Paris–Nizza noch nicht fit genug war, um als alleiniger Kapitän in die Rennen zu gehen: Ich bin froh, dass es schon wieder gereicht hat, um der Mannschaft entscheidend helfen zu können. Denn – das kann man gar nicht oft genug sagen – Rennradsport ist Mannschaftssport. Und als Mannschaft haben wir eigentlich in allen Rennen sehr viel richtig gemacht. Drückt uns die Daumen, dass sich das auch in den nächsten Rennen auszahlt.

Bis zum nächsten Mal, till next time,
euer Dege

Kein Glück in Roubaix

Foto: TDW/gettysport

Die Juni-Kolumne: schon beim Start der Zusammenarbeit mit der RoadBIKE, stand das Thema für diesen Monat für mich fest: Ein Rückblick auf für mich ganz besondere Rennen. Paris – Roubaix, das Amstel Gold Race, Eschborn – Frankfurt.

Jetzt ist das Thema ein anderes. Eine einzige, kleine Unachtsamkeit, etwas zu spät dran am ersten Pavé in Roubaix und der Sturz war passiert. Das Ergebnis: eine große Enttäuschung und ein großer Rückschlag. Es lief für mich über den Winter wie am Schnürchen, ich konnte relaxt und auf hohem Niveau trainieren. Zum Start der Saison hatte ich tolle Rennen, ehe die Pechsträhne begann und mich noch nicht wieder verlassen hat.

Doch wie hieß es so schön in einem der Rocky-Filme: Es kommt nicht darauf an, wie oft man zu Boden geschlagen wird, sondern wie oft man wieder aufsteht und trotzdem weitermacht. Das ist aktuell auch mein Motto, das mich Tag für Tag antreibt. Denn eins ist für mich klar: so toll und spannend der Job als Co-Kommentator bei der Übertragung meines Heimrennens auch war – noch plane ich keine neue Karriere. Weil ich sehr zuversichtlich bin, bald wieder mitmischen zu können, auch in der Spitze, da wo man sein muss, wenn man Rennen gewinnen will. Das Fernsehen muss also noch ein bisschen warten auf mich!

Bis zum nächste Mal,
Euer Dege.

Eure Fragen an Dege!

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