6 Rennräder unter 1000 Euro im Test

6 Einsteiger-Rennräder bis 1000 Euro

Einsteiger-Rennräder im Test
Foto: Björn Hänssler

Wir haben 6 Rennräder mit Shimano Tiagra für unter 1000 Euro getestet. Hier gibt's die Ergebnisse. Vergleichbare Produkte im Test

Kuez und knapp

  • 6 Rennräder mit Alu-Rahmen für unter 1000 Euro im Test
  • alle Rennräder im Test sind mit der Shimano Tiagra Schaltgruppe ausgestattet
  • bis auf leichte Abstriche beim Bremsdruckpunkt macht die Shimano Tiagra einen sehr guten Eindruck
  • Gewichtsunterschiede vor allem beim Rahmenset und bei den Laufrädern

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Canyon Endurace AL 5.0 (2017) 999 Euro Überragend
Cube Attain Race (2017) 999 Euro Sehr Gut
Giant Contend SL2 (2017) 999 Euro Sehr Gut
Stevens San Remo (2017) 999 Euro Sehr Gut
Bergamont Prime 6.0 (2017) 999 Euro Gut
Bulls Vulture 2(2017) 949 Euro Gut

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Tiagra als günstige Alternative

Alles wird teurer! Das gilt auch für Rennräder: Noch vor wenigen Jahren gab es für maximal 999 Euro Renner mit Shimanos 105er-Gruppe – in der Saison 2017 sind dafür in aller Regel mehr als 1000 Euro zu berappen. Doch mit der aktuellen Schaltgruppe Tiagra gibt es eine attraktive günstigere Alternative. Ob die damit ausgestatteten Räder nun echte Preishämmer oder doch einfach nur billig sind, sollen sechs Rennräder zu Preisen bis 1000 Euro in diesem Test unter Beweis stellen.

Die erste Frage lautet natürlich: Wie gut ist die aktuelle Tiagra, die Shimano mit dem Namenszusatz 4700 kennzeichnet? Bisher empfahl RoadBIKE stets die darüber angesiedelte Gruppe 105 als Minimum für seriösen Rennradsport. Doch mit der im Jahr 2016 eingeführten Version hat die Tiagra mächtig nachgelegt: Statt früher 9 bietet sie jetzt 10 Ritzel. Das bedeutet feinere Gangabstufungen und ein breites Übersetzungsspektrum. Was die Tiagra von den teureren Gruppen sogar abhebt: Das Schaltwerk kann Ritzel mit bis zu 34 Zähnen verarbeiten (die teureren Gruppen schaffen maximal 32).

Im Test schöpft nur Cube diese Möglichkeit voll aus – zusammen mit dem Kompaktkettenblatt mit 34 Zähnen bietet es so eine 1:1-Übersetzung, die an steilen Anstiegen noch leichteres Pedalieren erlaubt. Ein großes Plus für Einsteiger und Gelegenheitsfahrer. Spürbar verbessert hat sich bei der Tiagra auch die Ergonomie der Brems-/ Schaltgriffe. Im Blindvergleich gelingt es allenfalls Experten, den Unterschied zu den 105er-Griffen zu spüren. Wie bei den teureren Gruppen lässt sich die Griffweite, also die Entfernung des Bremsgriffs zum Lenker, per Schraube justieren.

Fokus auf Rahmen und Laufräder

Foto: RoadBIKE
In der RoadBIKE-Spinnennetz-Grafik können Sie ablesen in welchen Bereichen das Testrad im Vergleich mit den anderen Rennrädern im Test besonders gut oder eben nicht ganz so gut abschneidet.

Eine Schwäche gegenüber den höherwertigen Gruppen fiel den Testern allerdings ebenfalls auf: Die Bremse der Tiagra liefert zwar immer genügend Power für sichere Vollbremsungen. Da ihre Bremsbeläge aber nicht in Metallkörpern, sondern in solchen aus Kunststoff stecken, ist der Druckpunkt schwammiger als bei den teureren Gruppen. Fein dosiertes Anbremsen geht damit nicht ganz so präzise von der Hand, wie man das von den höherwertigen Markenkollegen kennt. Das stellt beileibe kein Sicherheitsproblem dar, sehr sportliche Fahrer, die Kurven gern spät anbremsen, wünschen sich indes einen klarer definierten Bremspunkt. Eine weitere Neuerung der Tiagra ist rein optischer Natur, wertet aber jedes Rennrad deutlich auf: Alle Züge laufen nun, wie bei teureren Gruppen längst üblich, unterm Lenkerband. Auch das trägt mit dazu bei, dass man die aktuelle Tiagra mit der vorigen 105er-Gruppe mindestens auf einer Stufe sehen kann.

Die Tiagra ist das verbindende Element im Test, alle Räder sind damit ausgestattet. Schaltgruppen der Mitbewerber Campagnolo und Sram sucht man in diesem Preissegment – leider – weitgehend vergeblich. Das macht die Räder leichter vergleichbar – gut für potenzielle Käufer, für die Anbieter ein Nachteil: Die Testräder unterscheiden sich im Wesentlichen nur noch durch die Qualität der Rahmen und Laufräder voneinander. Die Rahmen präsentierten sich alle sehr fahrstabil und für jedes Fahrergewicht geeignet, das belegen neben den Fahreindrücken der Tester auch die Messwerte von den RB-Prüfständen.

Deutliche Unterschiede zeigten sich auf der Waage: Nur rund 2 Kilo wiegt das Set aus Rahmen, Gabel und Steuersatz beim Renner von Giant, wogegen das Modell von Bergamont fast 400 Gramm mehr auf die Waage bringt. Noch leichter als das Giant-Rahmen-Set ist das Set von Canyon, dem einzigen Online-Anbieter, der im Test vertreten ist.

Ähnlichkeit beim Sitzkomfort

Bei Canyon, Cube und Giant fällt beim Blick auf die Messwerte zudem auf, dass deren Rahmen-Sets wirksamen, auf der Straße spürbaren Federungskomfort bieten: Man spürt beim Fahren schlicht weniger Erschütterungen, wenn’s mal holpert. Bei so günstigen Rädern ist das ein Novum, das jeden Rennradfahrer freut. Denn mehr Fahrkomfort bedeutet mehr Freude auf längeren Touren – weil der Halteapparat und die Gelenke spürbar entlastet werden. Wie bei den Rahmen-Sets zeigt sich im Prüflabor von RoadBIKE auch bei den Laufrädern, dass alle sehr stabil aufgebaut sind. Sehr gut! Allerdings offenbart auch hier ein Blick auf die Waage Unterschiede: Etwa 300 Gramm liegen zwischen dem leichtesten und schwersten Laufradsatz (inkl. Bereifung und Kassette). Dieses Mehrgewicht an rotierenden Massen ist bei jedem Antritt spürbar: Möglichst leichte Laufräder sind ein wesentlicher Spaßfaktor – und die Voraussetzung für ein leichtfüßiges Rennrad.

Recht ähnlich sind sich die getesteten Räder im Charakter: Der Fahrer sitzt nur leicht gestreckt und eher aufrecht, was Einsteigern, Gelegenheitsfahrern sowie allen, die Sitzkomfort schätzen, auf den Leib geschneidert ist. Auch zeichnet alle Testräder sicherer Geradeauslauf und eine berechenbare Lenkung im Mittelpunkt aus. Wer für gelegentliche Rennradabenteuer – oder einfach ein Rennrad für kleines Geld – sucht, findet hier durchaus attraktive Angebote.