Günstig gegen teuer: Merida Reacto

Merida Reacto Disc 7000-E gegen Merida Reacto Disc Team-E

Rennrad Test Geschwister Merida
Foto: Manfred Stromberg

Bei Merida beschränken sich die Unterschiede zwischen den Rahmen-Varianten des Reacto nicht auf Gewicht und Steifigkeit. Mit unterschiedlicher Geometrie gibt’s hier zwei verschiedene Räder.

Ein Rahmen in zwei Qualitätsstufen? Bei Merida ist das nicht alles: Die deutschen Entwickler ändern als Einzige in diesem Test auch die Geometrie ihrer Geschwister-Paarung. Die günstigeren Modelle bis zum getesteten Reacto Disc 7000-E kommen in der Rahmen-Version CF2, alle teureren Merida Reactos basieren auf der Rahmenplattform CF4 (das gilt auch für die Modelle mit Felgenbremse). Der wesentliche Unterschied: Beim CF2 ist das Steuerrohr 20 mm länger, dadurch hat es mehr Stack (Höhe ab Tretlagermitte) und 5 mm weniger Reach, also Länge.

Zwei verschiedene Räder

Das bedeutet, dass man es bei den getesteten Merida Reactos mit zwei recht unterschiedlichen Rädern zu tun hat. Mit dem Reacto Team sind auch Profis unterwegs: Man sitzt mit sportlicher Streckung, die Sattelüberhöhung ist knackig, aber nicht extrem. Auf dem Reacto 7000 sitzt der Fahrer etwas weniger gestreckt, aber deutlich aufrechter. Eine Haltung, die eher an einen modernen Touren-Renner erinnert – von einem Aero-Renner erwartet man das nicht.

Die Konstrukteure erklären die Unterschiede mit anderen Zielgruppen: Fahrer der teuren Modelle, die auf der Plattform CF4 basieren, könnten diese sportliche Position meist lange halten, wohingegen Kunden der günstigeren CF2-Versionen durch das längere Steuerrohr entspannter säßen.

Man kann dieser Argumentation folgen, stimmt es doch, dass Nicht-Profis häufig mit einem gewaltigen Spacer-Turm unter dem Vorbau unterwegs sind. Doch sollte dieser wesentliche Unterschied innerhalb der Reacto-Familie deutlicher kommuniziert werden – auf der Homepage von Merida macht nur ein Vergleich der Geometrie-Tabellen diese eher ungewöhnliche Philosophie deutlich. Auf den Rahmen selbst steht nur auf einem kleinen Label am Unterrohr CF2 oder CF4.

Neben der Position des Fahrers unterscheidet sich auch das Lenkverhalten der beiden Meriada Reacto-Versionen: Das CF2 hält dank 5 mm längerem Radstand ruhiger die Spur und lenkt etwas gelassener ein als das grundsätzlich ebenfalls laufruhige CF4. Insgesamt wirkt das Reacto Team deshalb viel spritziger und sportlicher als das eher zurückhaltend agierende Reacto 7000.

Unterschiede bei der Fahrstabilität sind nicht erfahrbar – auch wenn das CF2-Rahmen- Set laut Prüfstandmessung viel steifer ist. Der Federungskomfort variiert dagegen deutlich: Beim CF2 ist die Front hart, das Heck federt sehr gut, das CF4 federt insgesamt auf einem für Aero-Renner guten Niveau.

Testfazit kompakt

Merida baut unter gleichem Namen zwei unterschiedliche Räder. Das Merida Reacto Team mit CF4-Rahmen ist ein Sportler: Man sitzt gestreckt, das Rad hält gern hohes Tempo und folgt ruhig, aber punktgenau. Auf dem günstigeren Merida Reacto 7000 mit CF2-Rahmen sitzt der Fahrer viel aufrechter, auch der Radstand ist länger: Dieses Reacto empfiehlt sich eher als angenehmer Tourer.

Kurz und knapp

Positiv:

  • gut konstruierte Rahmen
  • guter Federungskomfort am Heck

Negativ:

  • zwei Geometrien

Note, Ausstattung und Messwerte: Merida Reacto Disc CF2

Foto: Benjamin Hahn

Testurteil: Sehr gut (77 Punkte)

Merida Reacto Disc CF2
Preis/Vertrieb3999 Euro/ Fachhandel
Gewicht*8,4 kg/1214 g/423 g
RahmenmaterialCarbon
GrößenS/SM/ML/L/XL
Ausstattung
SchaltgruppeShimano Ultegra Di2, 11–28
KurbelsatzFSA Energy, 52/36
BremsenShimano Ultegra Disc, 160 mm
LaufräderFulcrum Racing 400
ReifenContinental Grand Sport Race, 25 mm
Vorbau/LenkerMerida Expert
Sattel/StützePrologo Zero II/Merida Reacto
Profil
Steifigkeit (vorne/hinten)81 Nm/°/120 N/mm
Federung (vorne/hinten)404/291 N/mm
Gewicht*8,4 kg
Set-Gewicht1569 g
Laufrad-Gewicht**2905 g
Laufrad-Steifigkeiten (vorne/hinten) 68/74 Nm/°
* Komplettrad ohne Pedale/Rahmen/Gabel 
** inkl. Reifen, Achsen, Kassette

Note, Ausstattung und Messwerte: Merida Reacto Disc CF4

Foto: Benjamin Hahn

Testurteil: Sehr gut (89 Punkte)

Merida Reacto Disc CF4
Preis/Vertrieb9399 Euro/ Fachhandel
Gewicht*7,5 kg/1003 g/419 g
RahmenmaterialCarbon
GrößenS/SM/ML/L/XL
Ausstattung
SchaltgruppeShimano Dura-Ace Di2, 11–28
KurbelsatzShimano Dura-Ace, 52/36
BremsenShimano Dura-Ace Disc, 160 mm
LaufräderDT Swiss PRC 1400 Spline DB65
ReifenContinental Grand Prix 4000sII, 25 mm
Vorbau/LenkerVision Metro 5D
Sattel/StützePrologo Zero II/Merida Reacto
Profil
Steifigkeit (vorne/hinten)77 Nm/°/108 N/mm
Federung (vorne/hinten)317/343 N/mm
Gewicht*7,5 kg
Set-Gewicht1435 g
Laufrad-Gewicht**2751 g
Laufrad-Steifigkeiten (vorne/hinten)77/80 Nm/°
* Komplettrad ohne Pedale/Rahmen/Gabel 
** inkl. Reifen, Achsen, Kassette

Foto: Merida Daniel Schwenk, Merida R&D Senior Manager
Daniel Schwenk, Merida R&D Senior Manager

Und das sagt der Hersteller:

„CF2-Rahmen entsprechen unserem Carbon-Einstiegslevel und bieten sehr gute Steifigkeiten zum fairen Preis, während das Gewicht eher zweitrangig ist. Wir verwenden größere Steuersatzlager und dickere Wandstärken, um die geforderten Steifigkeitswerte zu erzielen.

Ziel der CF2-Geometrie ist es, dem durchschnittlich fitten Kunden die Möglichkeit zu bieten, sein Rad mit möglichst wenigen Spacern unter dem Vorbau zu fahren und dabei auch über lange Distanzen vergleichsweise entspannt auf dem Rad zu sitzen.

CF4-Rahmen sind für Profis ausgelegt. Sie stellen den bestmöglichen Kompromiss in Sachen Gewicht und Steifigkeit dar. Hier kommen überwiegend teure 30T-, 40T- und 60T-Fasern zum Einsatz, welche durch ihre hohen Zugfestigkeiten sehr dünne Wandstärken ermöglichen. Die aufwendige Fertigung von CF4-Rahmen ermöglicht sehr gute Oberflächen an der Innenseite mit minimaler Faltenbildung durch überschüssiges Harz.“