Im Test: 12 Rennräder unter 2000 Euro

Alles drin: Rennräder unter 2000 Euro im Test

RoadBIKE 0717 Test Teaser
Foto: Christian Lampe

Ein Rennrad für weniger als 2000 Euro, vollgepackt mit innovativer Technik? Das gibt’s – wie dieser Test beweist. Vergleichbare Produkte im Test

Kurz und knapp

  • Alu oder Carbon? Racer oder Tourer? Mit Disc oder Felgenbremse? Für unter 2000 Euro hat man als Rennrad-Käufer die Qual der Wahl.
  • Rennräder mit Alu-Rahmen sind in der Regel besser ausgestattet, Carbon-Rennräder sind meistens leichter.
  • 4 Hersteller schickten Rennräder mit Scheibenbremse in den Test: Canyon, Cube, Giant und Votec.

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Rose X-Lite 2 Sram Force (2017) 1999 Euro Überragend
Cannondale CAAD12 Ultegra (2017) 1999 Euro Sehr gut
Canyon Ultimate CF SL Disc 8.0 (2017) 1999 Euro Sehr gut
Radon Sage Carbon Ultegra SL (2017) 1999 Euro Sehr gut
Stevens Aspin (2017) 1998 Euro Sehr gut
Storck Visioner G1 (2017) 1799 Euro Sehr gut
Cube Agree C62 Disc (2017) 1999 Euro Gut
Felt F4 (2017) 1999 Euro Gut
Giant TCR Advanced Disc 1 (2017) 1999 Euro Gut
Specialized Roubaix SL4 Sport (2017) 1999 Euro Gut
Trek Émonda SL 5 (2017) 1999 Euro Gut
Votec VRd Comp (2017) 1899 Euro Gut

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Rennradkäufer haben die Wahl. Und, das ist das Erfreuliche, auch Kunden, die weniger als 2000 Euro ausgeben wollen, dürfen wählen. Alu oder Carbon? Racer oder Tourer? Mit Disc oder Felgenbremse? Mit günstiger oder höherwertiger Schaltgruppe? Oder gar aus dem Konfigurator, ganz nach persönlichen Vorlieben? Was der Markt an Variationen zu bieten hat, gibt’s inzwischen auch für ein vergleichsweise überschaubares Budget.

Nicht weniger erfreulich: Zumindest unter den getesteten Rädern der Preisklasse gibt es keine schlechten. Die Kehrseite der Medaille: Man muss, angesichts der vielfältigen Möglichkeiten, als Käufer schon genau wissen, welches Rad mit welcher Ausstattung zum eigenen Fahrstil und den Ansprüchen passt.

Entscheidungshilfe zu den wesentlichen Fragen (abgesehen von den Laufrädern – hier wird fast durchweg günstiges Material verbaut) auf der Suche nach dem passenden Renner finden Sie weiter unten im Artikel.

Um die große Vielfalt der Preisklasse abzubilden, hat RoadBIKE die Hersteller gebeten, für diesen Test ihr jeweils bestes Rennrad bis 1999 Euro zu schicken. Rahmen, Kategorie und Aufbau durften die Hersteller wählen. Die zwölf Räder im Test – acht von Fachhandelsmarken, vier von Internetanbietern – decken die komplette Bandbreite ab.

Unabhängig vom Charakter und der Ausstattung zeigten sich einige Tendenzen:

Rennrad-Ratgeber: Wer braucht was?

Rahmenmaterial: Alu oder Carbon?

Dem Rahmenmaterial kommt in dieser Preisklasse nach wie vor die Schlüsselrolle zu. Die Unterschiede werden beim Gewicht der Sets (Rahmen, Gabel und Steuersatz) offensichtlich: Das herausragende Alu-Set CAAD 12 von Cannondale (Cannondale CAAD12 Ultegra) wiegt knapp unter 1700 Gramm, die anderen Alu-Modelle zwischen 1817 und 1988 Gramm. Die besten Carbon-Modelle im Test wiegen dagegen unter 1500 Gramm, Rose kommt mit seinem neuen Rose X-Lite 2 (Rose X-Lite 2 Sram Force) auf sensationelle 1379 Gramm. Andererseits wiegen die Carbon-Sets von Cube (Cube Agree C62 Disc) oder Radon (Radon Sage Carbon Ultegra SL) sogar mehr als das Cannondale-Set aus Aluminium.

Auf der Straße ist der Gewichtsunterschied dennoch kaum spürbar. Und auch beim Federungskomfort ist ein gut gemachter Alu-Renner wie Cannondale CAAD12 Ultegra von einem Carbon-Rahmen in der Preisklasse nicht zu unterscheiden. Dafür ist Alu für die Hersteller deutlich günstiger – so sind an den Leichtmetallrahmen durchweg bessere Schaltgruppen und leichtere Laufräder montiert. Das spürt man im Rennradalltag eher als das Gewicht des Rahmen-Sets.

Ein Rennrad mit Disc oder Felgenbremse?

Starken Einfluss auf das Rahmengewicht hat das polarisierende Thema Scheibenbremsen. Vier Anbieter schickten Disc-Renner in den Test. Im Vergleich zu einem sonst identisch bestückten Rad mit Felgenbremsen wiegt ein Disc-Modell 600 Gramm mehr – mindestens. Und die Disc hat auch ihren Preis: Ein vergleichbar bestücktes Felgenbrems-Rennrad kostet Minimum 300 Euro weniger.

Die Vorzüge der Disc bestätigt freilich jeder, der schon mal damit gebremst hat. Spätestens, wenn man danach wieder per Felgenbremse verzögert, wird deutlich, wie viel weniger Handkraft mit hydraulischen Discs aufgebracht werden muss: Das Problem „dicker“ Unterarme nach langen Abfahrten ist damit passé. Zudem lässt sich die hydraulische Bremse feiner dosieren. Unsichere Fahrer, Vielfahrer und Alpinisten sollten deshalb auch in dieser Preisklasse über einen Disc-Renner nachdenken.

Allerdings: Die Brems-/Schalthebel der Shimano 105 Disc (ST-RS 505), die zumindest in diesem Testfeld alle Hersteller aus Kostengründen montieren, sind deutlich weniger ergonomisch als die jeder höherwertigen Disc-Anlage – ein echter Wermutstropfen!

Wie fahren sich die Rennräder in der Unter-2000-Euro-Klasse?

Sind diese Materialfragen geklärt, steht noch eine letzte Entscheidung an: Welche Art von Rennrad soll es sein – ein echter Rennsportler, ein komfortabler Tourer oder der vielseitige Allrounder? Im Test waren erstaunlich viele reinrassige Sportler vertreten. Folgende Rennräder empfehlen sich aufgrund direkter Lenkung und gestreckter Fahrerhaltung mit viel Sattelüberhöhung – also tiefer Front – für Sportler und Rennfahrer: Felt F4, Rose X-Lite 2 Sram Force, Radon Sage Carbon Ultegra SL und Giant TCR Advanced Disc 1.

Spürbar anders geben sich die modernen Tourer à la Specialized Roubaix SL4 Sport und Votec VRd Comp: Hier sitzt man zwar leicht gestreckt, aber viel komfortabler, da aufrechter. Zudem sind beide dank bestechender Laufruhe besser beherrschbar. Vielfahrer, aber auch Gelegenheitsfahrer werden mit dieser Auslegung eher glücklich.

Dazwischen positioniert sind die übrigen Starter im Test: Vor allem das Cannondale CAAD12 Ultegra und das Canyon Ultimate CF SL Disc 8.0 beschreiben den nahezu perfekten Mittelweg aus sportlicher Gangart und Fahrerhaltung bei ausreichendem Restkomfort – und voller Kontrolle in jeder Fahrsituation. Da die meisten Testräder – mal mehr, mal weniger sportlich abgestimmt – diesen Mittelweg beschreiten, empfehlen sie sich als starke Alleskönner für den Großteil der Rennradler.

Wie genau sich jedes der getesteten Räder auf der Straße verhält, beschreiben die Testberichte und Diagramme zu Sitzposition und Charakter, also Lenkverhalten und Vorwärtsdrang. Wer unsicher ist, sollte vor dem Kauf unbedingt Probe sitzen – und im Zweifelsfall einen gut beratenden Händler zurate ziehen.

Foto: RoadBIKE
Die Punkte sind nur innerhalb eines Testfelds vergleichbar und abhängig vom Testfeld/der Preisklasse. Die jeweilige Gesamtpunktzahl führt zu folgenden Noten. 100–91: überragend; 90–71: sehr gut; 70–51: gut; 50–31: befriedigend; 30–1: schwach. * Punkteabzug gibt es beispielsweise für Montagemängel oder schlecht zentrierte Laufräder.