Dauertest Scott Foil RC

Mit dem Aero-Rennrad in die Alpen

Dauertest Scott Foil RC 2017
Foto: Sebastian Hohlbaum

Teil 4, der Alpen-Ausflug: Mit einem Aero-Rennrad in die Alpen - eine gute Idee?

RoadBIKE-Online-Redakteur Sebastian Hohlbaum darf in dieser Saison das Scott Foil RC auf der Straße beschleunigen. Wie sich das Rad schlägt, lesen Sie im Dauertest-Blog

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Teil 4: Der Alpen-Ausflug

In der Regel sind Aero-Rennräder für hohe Geschwindigkeiten auf flachen bis leicht hügeligen Strecken konzipiert. Von den aerodynamischen Rohrprofilen bis zur integrierten Lenker-Vorbau-Kombi ist alles auf minimalen Luftwiderstand ausgerichtet. Da darf der Rahmen auch mal ein paar Gramm schwerer sein, schließlich ist die Masse, wenn sie erst mal in Schwung ist, kein so großes Thema mehr.

Das Scott Foil RC ist, zumindest was das Gewicht angeht, zum Glück die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Die 7,2 kg (mit Pedalen) müssen sich auch vor Bergrädern nicht verstecken. Geometrie und Integration sind aber auch beim Scott Foil auf minimalen Luftwiederstand ausgelegt. Das kurze Steuerrohr und das lange Oberrohr führen zu einer tiefen, gestreckten Sitzposition. Die Vorbaulänge von 110 mm trägt auch zur „Rennposition“ bei.

Vor allem die Lenker-Vorbau-Kombi (bei den Foil Premium und Foil RC Modellen) macht das Rad etwas unflexibel. Bei anderen Modellen oder Rädern mit Standard-Vorbau lässt sich dieser schnell mal umgedreht montieren oder austauschen. Durch die dann positive Neigung oder die verringerte Länge kann man schnell eine etwas entspanntere Fahrposition einnehmen.

Sind Lenker und Vorbau aber eine Einheit, geht das nicht so einfach. Die einzige Möglichkeit wäre, den Lenker und Vorbau komplett auszutauschen. Also auch Brems- und Schaltzüge neu verlegen und Lenkerband neu wickeln. Wer keinen eigenen Mechaniker zur Verfügung hat wird diesen Aufwand kaum auf sich nehmen.

Auch bei der Übersetzung ist das Foil auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegt. Die semi-kompakt Kurbel (52/36), gepaart mit einer 11-28er Kassette ist nicht gerade bergfreundlich. Aus diesem Grund bin auch ich in renntauglicher Haltung (aber nicht ganz im Renntempo) das Kühtai hochgestapft. Und siehe da, es geht! Allerdings war das Kühtai der einzige Alpenpass auf meinem Ausflug ins Ötztal.

Und ich muss zugegeben, dass ich mir auf den steileren Abschnitten noch ein oder zwei leichtere Gänge gewünscht habe. Und auch mein Rücken hat sich gegen Ende hin immer mehr über die Rennhaltung beschwert.

Aero in den Alpen ist also möglich, aber nicht unbedingt ideal. UAuch nicht mit dem Scott Foil RC, das für ein Aero-Rennrad schon sehr vielseitig ist. Wer viel in den Bergen unterwegs ist, ist mit einem flexibleren Rad mit einer weniger aggressiven Geometrie besser beraten. Bei mir hat der Ausflug in die Alpen auf dem Scott Foil RC aber keine bleibenden Schäden hinterlassen.

Teil 3: Das Trainingslager

Foto: Mallorca Cycling Photos
Das Scott Foil RC auf Mallorca im Trainingslager.

Die ersten 1000 Kilometer sind absolviert, die meisten davon auf der Rennrad-Insel Mallorca. Zeit für ein erstes Zwischenfazit zum Foil:

Das Scott Foil RC ist zwar ein Aero-Rennrad, scheint aber wenig der negativen Aero-Rennrad-Eigenschaften zu besitzen. Weder ist es bockschwer, noch fehlt der Komfort am Hinterbau. Wie nachgiebig das Rad tatsächlich ist, muss der RB-Prüfstand beweisen. Aber gefühlt ist es auch nach 150 Kilometern im Sattel noch bequem.

Schwer ist es auch nicht, das Gewicht wurde schon gleich zu Beginn gemessen (s. unten). Die gut 7 kg sind auch bei längeren Anstiegen kein Hindernis. Stattdessen stiefelt das Foil flott auch längere Anstiege hinauf.

Und überhaupt hat das Rennrad einen ordentlichen Zug nach vorn. Die Beschleunigung erfolgt bei entsprechendem Kraftaufwand in Windeseile! Und ist man erstmal auf einem Hohen Tempo, lässt sich dieses auch gut halten.

Bin gespannt, wie die nächsten 1000 Kilometer werden.

Foto: Sebastian Hohlbaum Scott Foil RC Dauertest

Teil 2: Die richtige Größe

Klar, das perfekte Rennrad passt wie ein Handschuh und fühlt sich an wie eine Verlängerung des eigenen Körpers. Doch jeder Mensch ist unterschiedlich und Rennräder gibt es nun mal nicht in unendlich vielen verschiedenen Größe. Dazu kommt, dass sich die Geometrien abhängig vom Modell stark unterscheiden können. Wer auf einem Tourer von Marke X in Größe 56 gut sitzt, muss sich nicht auch auf einem Aero-Renner von Marke Y in der gleichen Größe wohlfühlen.

Gute Webseiten bieten Rechner an, bei dem man die Körpermaße eingibt und eine empfohlene Rahmengröße heraus bekommt. So ist es auch bei den großen Versendern der Fall. Probefahren ist aber meistens nicht möglich ist.

Mein Dauertester Scott Foil RC wird im Normalfall über den Händler vertrieben, eine Probefahrt ist da in der Regel kein Problem. Allerdings bekam ich mein Rad direkt von Scott. Statt einfach zwei Rahmengrößen zu bestellen und die nicht passende zurück schicken, musste ich mich für eine Größe entscheiden. Nachdem ich in der letzten Saison auf einem Giant Propel Advanced 0 LTD in Größe ML (ca. 56 cm Rahmenhöhe) unterwegs war, habe ich mich dieses Mal für einen Rahmen in M (54 cm Rahmenhöhe) entschieden.

Die Körperposition ist tief und kompakt, genau wie ich es mag. Trotz tiefem Lenker und langem Vorbau (110mm) gibt es auch nach längeren Touren keine Rückenschmerzen. Das "Toe-Clipping" (Vorderreifen stößt bei starkem Einlenken an die Zehen) nehme ich für meine Wohlfühl-Position gerne in Kauf. Allerdings kommt der Rahmen bzw. die Komponenten mit dieser Sitzposition und der Sattelüberhöhung an ihre Grenzen. Mit der 350mm-Sattelstütze ist meine gewünschte Sattelhöhe von 78 cm gerade so nicht zu erreichen.

Kein Problem, für das Rad gibt es auch eine 400mm-Sattelstütze. Das ist nicht verwunderlich. Schließlich sind auch die Profis des Orica-Scott World Tour Teams auf dem Scott Foil unterwegs. Und Profis sind ja bekannt dafür, dass sie eher eine Rahmengröße kleiner fahren.

Teil 1: Wie Weihnachten

Ein neues Rennrad ist wie Weihnachten. Und genauso habe ich mich gefreut, als ich meinen Dauertester ausgepackt habe, das Scott Foil RC. Das Aero-Rennrad mit der neuen Shimano Dura-Ace Gruppe wird mein treuer Begleiter in dieser Rennrad- und Triathlonsaison sein.

Außer der brandneuen Shimano Dura-Ace 9100 kommt das neue Scott Foil RC mit Zipp 30 Course Alu-Laufrädern und Komponenten von Synchros. Komplett aufgebaut (Gr. M/54, inkl. Dura-Ace Pedale und einem Flaschenhalter) liegt das Gesamtgewicht bei 7,21 kg. Für einen Aero-Renner durchaus passabel. Wie schnell sich diese gut 7 kg beschleunigen lassen, wird sich in den nächsten Wochen und Monate noch herausstellen.